„Es gibt Resignation“

Vier Jahre ist die Hochwasserkatastrophe im Juli her. Aktuell werden Pläne für einen besseren Schutz der Stadt erarbeitet. Rainer von Kempen, Sprecher der ‚Hochwasser Initiative Erftstadt‘, ist aufmerksamer Beobachter der Entwicklungen. Im Gespräch mit Philipp Wasmund erzählt er von aktuellen Problemen und Wünschen von Betroffenen. 

Erftstadt Magazin aus dem Juli 2025

 

 

Erftstadt Magazin: Wie erleben die Erftstädter den Jahrestag der Flut?

Von Kempen: Ich glaube, dass die meisten versuchen nicht daran zu denken und nicht viele Worte verlieren wollen. Es gibt Menschen, die hatten seit der Flut fast jedes Jahr wieder Wasser im Haus. In Herrig und Liblar war es jetzt sehr schlimm. Da gibt es Resignation, dass nichts dagegen passiert.

ESM: Können Sie das verstehen? Was muss passieren?

Von Kempen: Die Menschen verstehen nicht, dass von der Stadt gerade wenig kommt. Aber es gibt tatsächlich ja nichts zu berichten. Ein Ingenieurbüro erarbeitet gerade Pläne und das ist sehr komplex und dauert. Es werden vom Land auch aktuell erst neue Starkregenkarten herausgegeben, die die Pläne beeinflussen.

ESM: Es gab Workshops und Ortsbegehungen von den Planern mit Bürgern. Wie haben Sie das erlebt?

Von Kempen: Wir haben gesehen und auch zurückgemeldet bekommen, dass die Ideen und Informationen der Bürger sehr hochwertig waren. Ich denke, das hat sehr gut funktioniert.

ESM: Wenn im nächsten Jahr die Pläne vorgestellt werden, gibt es Grund für Optimismus, dass der Schutz vor dem Wasser erhöht wird?

Von Kempen: Ich glaube schon, dass die Vorschläge einen großen Fortschritt bedeuten werden. Wenn sie umgesetzt werden, hätten wir einen guten Schutz vor einem hundertjährigen Ereignis und vielleicht etwas mehr. Einen Schutz vor einem so schlimmen Ereignis wie 2021 ist wohl nicht komplett möglich. Nur, was ich befürchte ist, dass die Pläne vielleicht nicht umgesetzt werden. Es hängt am Ende am Geld vom Land.

ESM: Sehr häufig betonen Verantwortliche, dass Schutz vor Starkregen und Hochwasser zunächst einmal Aufgabe der Hausbesitzer ist. Was sagen Sie dazu?

Von Kempen: Das stimmt einerseits, aber andererseits fällt ja auf, dass manche betroffen sind und ihr Nachbar nicht. Es liegt auch oft an Kleinigkeiten, auch an alten Bausünden. Zum Beispiel, dass es in manchen Straßen abgesenkte Bordsteine gibt. An manchen Orten wird der Mühlengraben durch Anwohner gepflegt, an anderen macht das keiner.

ESM: Wie klappt es mit der „Hochwasser Initiative Erftstadt“ in diesen Tagen des Wartens auf die Pläne?

Von Kempen: Wir sind immer noch da, informieren uns und versuchen im Gespräch zu bleiben. Aber klar, es wird der Tag kommen wo wir genau aufpassen müssen, wenn die Pläne präsentiert werden. Ich denke, es kann auch sein, dass wir die Stadt unterstützen müssen, um Druck beim Land zu machen, dass wirklich etwas passiert. Wir wollen auch weiterhin Daten sammeln, was aktuell passiert bei Starkregen in der Stadt. Das kann helfen, für unsere Rechte zu kämpfen.